Stimmen aus der Gemeinschaft

Auf dieser Seite erzählen einzelene (nicht alle) Mitglieder aus der Gemeinschaft warum sie hier leben, was ihnen besonders gefällt oder auch was ihnen fehlt. Wir sind unterschiedlich und das ist gut so.

 

„Ich glaube, dass Gemeinschaften resilienter sind und die Krisen unserer Welt besser überstehen und wirkungsvoller an positivem Wandel mitwirken als kleinere Systeme. Das Zusammenbringen von beispielsweise Kompetenzen, Wissen und kreativem Potential in einer Gemeinschaft kann große Wirkungskraft entfalten. Außerdem bietet mir Gemeinschaft ein großes Experimentierfeld, um persönlich zu wachsen, Unterstützung zu bekommen und zu geben. Mir war es wichtig, selber eine Gemeinschaft aufzubauen und mit zu gestalten anstatt in eine bestehende einzusteigen.
An Lebensbogen gefällt mir besonders, dass uns wichtig ist, in verbindungsvoller Kommunikation zu sein, dass wir uns forschend und lernend im Prozess immer weiter entwickeln und undogmatisch sind. Eine der Herausforderungen für mich in Gemeinschaft ist, geduldig und verständnisvoll zu bleiben, wenn aus meiner Sicht die individuellen Befindlichkeiten und Ängste viel Raum einnehmen. Herausfordernd ist auch manchmal auszuhalten, wenn Dinge nicht geschehen oder nicht umgesetzt werden, oder der Entscheidungsprozess sehr lange dauert.
Der Wunsch, von Herz zu Herz zu kommunizieren sowie Verbundenheit zur Gruppe, zur Welt und zur Natur – das macht Lebensbogen für mich aus. Mit diesem lebendigen Lern- und Begegnungsort mit vielen Projekten möchte ich mit dazu beizutragen, dass unsere Welt nachhaltiger, ressourcenschonender, verbindungsvoller und gerechter wird und mehr Frieden entsteht. Ein Begegnungsraum ohne Rassismus, Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung.“

Annett

"Ich lebe in Gemeinschaft, weil ich dort mit anderen Menschen zusammen Dinge umsetzen kann, die ich alleine nicht schaffen würde. Egal, ob es dabei um Arbeiten geht, für die man mehrere Menschen bracht (Bauprojekte...) oder die gemeinsame Nutzung von Auto und Waschmaschine oder das Einkaufen in Großgebinden, um umweltfreundlicher zu leben.
Am Lebensbogen hat mich gereizt, dass ich Leben und Arbeiten am selben Ort verwirklichen kann. Ich habe keine Fahrtzeiten mehr zur Arbeit und so die Möglichkeit, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Außerdem finde ich es toll, durch das Tagungshaus viele Begegnungen mit Menschen aus aller Welt zu haben. Der zweite, ebenso wichtige Aspekt ist die gemeinsame Ökonomie: ich bin nicht mehr alleine verantwortlich für die Existenz meiner Familie. Auch wenn mal jemand wegen Krankheit oder anderem ausfällt, sind genug Menschen da, die einspringen können. Wenn wir alle unser Einkommen zusammen schmeißen, reicht es auch für alle zum Leben!
Die größte Herausforderung für mich ist die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit! Hier ist immer was zu tun, egal ob für den Betrieb, für die Gemeinschaft oder die Familie. Da ist es schwierig, freie Zeiten für mich ganz persönlich zu finden.
Was den Lebensbogen für mich ausmacht, ist die Herzverbundenheit und die Gemeinsame Ökonomie, die vielen Menschen und die herrliche Natur. Dieser Platz soll erhalten bleiben als Ort der Begegnung für alle Menschen, die sich einen gesellschaftlichen und politischen Wandel wünschen und diese Welt nachhaltig verbessern wollen!"

Annette

„Ich find‘s schön, dass wir alle zusammen wohnen. Und wenn meine Eltern mal keine Zeit haben, dass andere dann für mich Zeit haben. Und dass hier alle nett sind. Was ich ein bisschen nervig finde, ist dass es manchmal so lange dauert, bis eine Entscheidung getroffen wird. Zum Beispiel war das so, als ich gerne Hühner haben wollten. Aber jetzt sind die Hühner da und ich darf mich auch um sie kümmern. Aber als unser Huhn Rosalie vom Habicht erwischt worden ist da war ich sehr traurig. Ich fände es toll, wenn mehr Kinder hier wären, dann hätte ich mehr Kinder zum spielen. Dann wäre mir nicht so oft langweilig. Und ich wünsche mir, dass wir noch mehr Tiere haben. Toll ist, dass man hier im Winter gut Schlitten fahren und Iglus bauen kann. Ich mag auch gerne das Trecker fahren und – wenn die großen Laubhaufen im Herbst zusammen gerecht sind - dass wir Kinder dann da rein springen dürfen. Was ich hier habe, was ich früher nicht hatte, sind zum Beispiel der Kreativ-Raum, das Klamöttchen (unsere Kleiderkammer) und überhaupt so viel Platz zum spielen. Überhaupt finde ich es schön, dass wir zusammen Sachen machen wie Weihnachtsbaum schmücken, Laub harken, die Terrasse neu bauen, St. Martins-Laternenumzug auf den Helfensteinen, Wikingerschach und Wizzard spielen oder auch mal zum See fahren. Viel Spaß gemacht hat mir, zusammen mit vielen Leuten aus der Gemeinschaft und meinen Schwestern das Mosaik für den Elementeplatz zu machen.“

Antonia

„In Gemeinschaft ist es schöner als allein. Ich lerne sehr viel mehr über mich selbst, als wenn ich allein leben würde. Gemeinsam sind wir stärker und können mehr bewirken.
Hier im Lebensbogen gibt es viel Raum, um Ideen umzusetzen. Mir gefällt die Landschaft super gut und ich liebe, es in der Natur zu leben. Hier kann ich gemeinsam leben und arbeiten. Das Schönste ist, dass ich hier meine Leidenschaft beruflich ausüben kann – das Kochen. Ich finde unsere gemeinsame Ökonomie gut.
Das Leben in Gemeinschaft ist sehr komplex. Herausfordernd finde ich das viele und lange Reden, um zu Entscheidungen zu kommen.“

Gunda

"Ich habe mich aus einem Bauchgefühl heraus dazu entschieden in den Lebensbogen zu ziehen.
Die Herzlichkeit, Offenheit und Intelligenz der Gemeinschaft, sowie die Weite und Schönheit der Natur haben mich berührt.
Ich bin hier, weil ich die Gemeinschaft als guten und sicheren Ort erlebe um mich selbst zu entdecken und weiter kennen zu lernen.
Mir selbst und anderen immer wieder neu und mit Neugier zu begegnen finde ich die größte Herausforderung und gleichzeitig das größte Abenteuer.
Ich möchte dazu beitragen, dass der Lebensbogen ein lebendiger und vielfältiger Ort des Austausches und der Begegnung bleibt."

Jenni

„Gemeinschaft ist ein nachhaltigeres Lebenskonzept als Kleinfamilie um Kindern ein vielfältigeres soziales Umfeld bieten zu können. 
Im Lebensbogen bin ich, weil ich hier am gleichen Platz Arbeiten und Leben kann, keine Fahrzeiten zur Arbeit habe und auch kein CO2 durch Arbeitswege entstehen. Außerdem ist hier eine geile (Lauf-)Landschaft.
Und wegen der vielen Möglichkeiten, die hier am Platz sind und weil es die Gemeinschaft noch nicht soooo lange gibt. Da reizt die Möglichkeit mit gestalten zu können. Die vielen Möglichkeiten sind gleichzeitig die größte Herausforderung für mich. 
Der Lebensbogen bedeutet für mich Naturnähe, Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Ich setze mich für Offenheit und Veränderung ein.“

Jochen

„In Gemeinschaft lebe ich wegen der gemeinsamen Ressourcennutzung (z.B. Wohnraum, Maschinen, Medien, Energie…), der Gruppenintelligenz, dem Austausch, der gegenseitigen Unterstützung und der großen Chance, sich persönlich weiter zu entwickeln. Im Lebensbogen bin ich, weil ich mich mit den Werten der Gruppe verbunden fühle; wegen der Offenheit und Freundlichkeit der Gemeinschaftsmitglieder, wegen meines persönlichen Interesses an den Betrieben und der Attraktivität des Platzes. 
Die größten Herausforderungen sind für mich: die vielen „Spiegel“, die immer notwendige Herbeiführung eines Konsens, lange Gespräche und Diskussionen bis zur Entscheidungsfindung, das Entschleunigen, die unterschiedlichen Vorstellungen und Wünsche von Sauberkeit, Ordnung und der Nutzung von Gebrauchsgütern. Der Lebensbogen bedeutet für mich Herzverbundenheit gemeinsame Ökonomie.
Ich möchte beitragen zu einem respektvollen, wertschätzenden Umgang zwischen den Menschen und mit der Natur. Ich wünsche mir einen Begegnungsraum ohne Rassismus, Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung. Einen lebendigen Lern- und Begegnungsort mit Projekten, die dazu beizutragen, dass unsere Welt nachhaltiger, ressourcenschonender und gerechter wird und mehr Frieden entsteht.“

Karin

„Ich lebe in Gemeinschaft, weil ich das schon immer im Blut hatte und weil Menschen mir Sicherheit geben. Im Lebensbogen bin ich in erster Linie wahrscheinlich, weil ich ihn mit gegründet habe und es meinen Zielen entspricht. Die größte Herausforderung für mich ist alle zu akzeptieren und Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen auch wenn ich nur Auslöser bin. Im Lebensbogen sehe ich das Potenzial (Mensch, Raum, …), das noch gefüllt werden kann; der Ort mit seiner Weite. Ich möchte dazu beitragen, das Miteinander zu zeigen und Hoffnung zu ermöglichen.“

Micha

Gemeinschaft bedeutet für mich, einen Begegnungsraum zu schaffen, in welchem wir einander erkennen und annehmen können ohne zu urteilen. Einfach „sein“ dürfen. Das schafft den besten Nährboden für inneres, wie äußeres Wachstum.
Ich fühle mich mit den Prinzipien im Lebensbogen sehr verbunden. Das Fundament ist geschaffen und trägt die bunte Vielfalt an Vorstellungen und Ideen in der Gemeinschaft. Alles ist immer in Bewegung und nie starr. Hier treffen Wissen und Erfahrung auf Neugierde und Experimentierfreudigkeit. Stabilität und Wandel halten sich die Waage.
Arbeit und Freizeit sind im Lebensbogen für mich eng miteinander verknüpft. Doch ich empfinde die Arbeit als sehr sinnstiftend, erfahre viel Wertschätzung und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Gleichzeitig fordert das gemeinschaftliche Leben dazu auf, sich auch im Alltag zu begegnen und das Leben hier am Platz aktiv mitzugestalten. Beides zusammen erfordert Zeit, Geduld und Muße. Sich dann auch wieder auf sich selbst zu besinnen und Freiräume für innere Themen zu schaffen, sehe ich als die größte Herausforderung hier am Platz.
Für mich ist der Lebensbogen nicht nur ein Begegnungs- sondern auch ein Kraft- und Erholungsort für alle Menschen. Neue Ideen und Visionen werden geboren um zu einem Wandel in der Welt beizutragen - hin zu einem nachhaltig offenen, vertrauensvollen, achtsamen, liebevollen, ehrlichen, freiheitlichen, friedlichen und freudigen Miteinander.

Milena

„Ich lebe in Gemeinschaft, weil hier neue und konstruktive Formen der Kommunikation und Konfliktlösungen erprobt werden. Weil mich jede:r Einzelne immer wieder neu inspiriert und beflügelt und wir in gemeinsame Räume hineinwachsen, in denen wir uns ehrlich begegnen können. Im Lebensbogen bin ich, weil wir uns immer wieder der Herausforderung stellen, die Fragen an uns als Menschen und als Teil der Gesellschaft anzuschauen und Antworten zu suchen. Viele intensive Gemeinschaftszeiten und begleitete Intensivzeiten sowie Community building. Meine größte Herausforderung ist, die Scheu abzulegen, wahrhaftig und ehrlich das Tiefste in mir in der Begegnung zuzulassen und zu zeigen. Der Lebensbogen ist für mich die Vielfalt und der Respekt, die Herzverbundenheit und die gemeinsame Ökonomie und die Bereitschaft uns immer tiefer aufeinander einzulassen. 
Ich setze mich ein für gemeinsames Forschen nach Lösungen für die Herausforderungen von Klimawandel, Artensterben und Corona. Ich möchte neue und unbekannte Wege beschreiten, um tiefer einzutauchen in das Wesen von Verbundenheit mit allem Sein.“

Sissy

„Gemeinschaft ist für mich bislang aufgrund meiner Lebenserfahrung in verschiedenen Konstellationen die am sinnstiftendste Form des Zusammenlebens. Sie erfüllt am ehesten mein Bedürfnis nach Verbindung mit anderen Menschen, insbesondere durch die Anstöße im Gruppenprozess, ständige Anregungen und Impulse sich weiterzuentwickeln. Gemeinsam sind diverse Herausforderungen (Ökologie, Aktionen, Einkauf) leichter zu meistern. Im Lebensbogen bin ich wegen der hohen Wertschätzung der Kommunarden:innen, einer hohen Kompetenz im Bereich Kommunikation und der Bereitschaft sich auseinanderzusetzen.
Die größte Herausforderung für mich ist die Einschränkung meiner Souveränität und Freiheit. Das Zusammenleben mit vielen Menschen ist anstrengend durch hohes Energielevel. Wir haben einen hohen Aufwand und Druck, die Kosten einer Einrichtung, die „teuer“ war mit hohem Investitionsstau zu erwirtschaften. Und bei all dem immer wieder eine positive Grundeinstellung einzunehmen. Der Lebensbogen steht für die Vielfalt der Individuen, die Fähigkeit, auch schwierige Phasen durchzustehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen und die gegenseitige Sympathie. Ich möchte dazu beitragen, dass die Offenheit gegenüber Besuchern und Gästen erhalten bleibt. Ich wünsche mir die Bestätigung, dass ein Leben in Gemeinschaft zwar herausfordernd aber möglich ist. Wir sind ein Beispiel dafür, dass Gemeinschaft eine Lebensform mit vielen Vorteilen ist. Ich möchte Impulse setzen durch die Ermöglichung von Begegnungen und das Durchbrechen von Vorurteilen.“

Stefan

„Ich lebe in Gemeinschaft, weil ich möchte, dass soziale Kontakte jeder Qualität aus sich selbst heraus bestehen und nicht von mir gewählt werden. Ich möchte ein Gegenmodell zur zunehmenden Individualisierung leben. Ich muss nicht mehr alles selber machen. Im Lebensbogen bin ich, weil ich einige der Gründer kannte. Viele meiner Vorstellungen schienen mir im und durch den Lebensbogen verwirklichbar.“

Ulrich

Interview von und mit unseren um die 30jährigen (Stand: Herbst 2021)

Wir heißen Moana, Milena und Jenni, sind um die dreißig und dieses Jahr in den Lebensbogen gezogen. Zusammen mit der 10-jährigen Antonia sind wir mit Abstand die Jüngsten am Platz, noch dazu leben wir vegan. Die Gemeinschaft hat uns auf Probe in die gemeinsame Ökonomie aufgenommen. Dadurch haben wir die Chance von Anfang an ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist ein Teil der Kommune zu sein - mit allem was dazu gehört. Um einen authentischen Einblick in unser Leben hier im Lebensbogen zu geben, haben wir entschieden, dass wir uns Fragen überlegen, diese gemeinsam in einen Topf werfen und an einem Nachmittag in gemütlicher Runde zu beantworten. Wir haben nun die für uns wichtigsten Fragen und Antworten ausgewählt und wünschen viel Spaß beim Lesen! WAS IST DEIN LIEBLINGSPLATZ UND WESHALB? Moana: Das Musikzimmer ist mein Lieblingsraum. Das ist wie ein Spielraum für mich und ich fühle mich dort sehr verbunden mit meiner Kreativität. Milena: Kann ich sagen, dass der “Raum der Stille” mein Lieblingsraum ist, obwohl ich, seitdem ich hier wohne noch gar nie dort war? Ich habe mir fest vorgenommen dahin zu gehen – zumindest öfter als keinmal! Für mich bedeutet der Raum Ruhe, Achtsamkeit, Kraft tanken und das möchte ich mir in Zukunft mehr geben. Jetzt ist es amtlich bzw. schriftlich festgehalten (Anm.: seit dem Interview war sie schon 3 Mal dort). Jenni: Ich mag den Raum der Stille auch ziemlich gerne und finde die Frage gar nicht so leicht, denn es gibt hier so viele Räume. Aber ich würde sagen, dass das Wohnzimmer eines meiner Lieblingszimmer ist, weil ich es so gemütlich finde. Am Anfang, als ich neu hierher gekommen bin, war ich oft bei schönem Wetter unten auf der Schaukel (Anm: auf dem Gelände gibt es eine Nestschaukel). Ich mag den Ort, weil man da in den Baum hoch schauen kann. Das fand' ich voll schön! Nach dem Essen in der Schaukel zu liegen und nach oben zu schauen. Milena: Was ist mit der Sauna, Jenni? Jenni: Oh ja, die Sauna! Die Sauna ist auf jeden Fall auch einer meiner Lieblingsräume! Ich liebe die Sauna, weil sie der wärmste Ort ist in ganz hessisch Sibirien ist (Anmerkung: im Winter wird es hier echt kalt). WAS MACHT DEINEN ALLTAG IN DER KOMMUNE SO BESONDERS? Milena: Viele spannende Menschen kommen hierher aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ob sie nun Interesse an der Gemeinschaft haben oder für ein bestimmtes Seminar da sind. Wenn ich will, kann ich mich mit ihnen austauschen und viel neues erfahren. Jenni: Für mich macht es so besonders, dass hier mein Wohn- und Arbeitsort ist und dass ich dadurch mit meiner Arbeit mehr verbunden bin und sich die Arbeit mit dem Alltag sehr stark vermischt. Dadurch fühle ich mich auch mit den Menschen hier mehr verbunden. Ich bin einfach viel hier an dem Ort und mit allen ständig in Kontakt. Das finde ich gut. Und die Natur hier finde ich auch besonders. Moana: Verbunden zu sein mit dem Gelände und auch irgendwie die zufälligen Gespräche, der Austausch zwischendurch. Auch die kleinen Sachen, freundlichen Menschen zu begegnen, ein Lächeln auszutauschen. WIE IST ES FÜR EUCH, DASS IHR SO VIEL JÜNGER SEID ALS DER REST DER GEMEINSCHAFT? Milena: Ich habe gar nicht das Gefühl, dass der Abstand so groß ist. Wir sind alle an diesem Ort und haben eine gemeinsame Vorstellung davon, wie wir hier miteinander leben wollen und das auch unabhängig von unserem Alter. Ich fühle mich auch gleichwertig in dem Sinne, dass meine Erfahrung genauso viel gilt, wie die derjenigen, die schon ein paar Jahre mehr Erfahrung haben – auch, was das Leben in der Kommune angeht. Und ich profitiere natürlich auch von deren Erfahrung! Trotzdem: mir fehlt der Austausch mit jüngeren Menschen. Ich glaube, da ist teilweise mehr Verständnis für die eigene Lebenssituation. Moana: Das ist für mich eines der größten Themen. Ich fühle mich gleichwertig. Doch da sind auch andere Lebensvorstellungen, was „normal“ ist und wie man die Welt sieht. Da erkenne ich doch Unterschiede. Und es fällt mir einfacher mit Menschen in meinem Alter eine engere Bindung zu entwickeln. Die Entwicklung eines Wohlgefühls mit Menschen meiner Elterngeneration dauert einfach etwas länger. Es braucht Zeit und Gewöhnung. Doch ich fühle mich wohl mit allen Menschen hier am Ort. Jenni: Ich finde auch, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander sind. Die Menschen hier sind sehr offen und interessiert. Am Anfang war es für mich jedoch schwer. Ich habe bisher nicht so oft erlebt, dass ich mich mit Menschen aus meiner Elterngeneration auf Augenhöhe zusammen arbeiten konnte. Doch ich habe direkt gemerkt, dass die Menschen hier anders sind und das finde ich schön, mal eine andere Erfahrung zu machen. Ich schätze das Wissen und die Erfahrung der Mitkommunarden*innen. Gleichzeitig denke ich, wenn noch ein paar mehr junge Leute hier wären, würde es auch lebendiger. Momentan ist es hier sehr gesetzt. Das ist zwar auch ein Geschenk, gleichzeitig fehlt da vielleicht noch ein wenig der Schwung. WIE IST ES FÜR EUCH, DIE EINZIG VEGAN LEBENDEN MENSCHEN ZU SEIN? Milena: Auf der Erde? (lacht) Also, obwohl wir die einzigen vegan lebenden Menschen sind in der Gemeinschaft, sind wir doch ziemlich gut versorgt. Seitdem ich hier lebe, gibt es jeden Tag eine große Auswahl an veganen Köstlichkeiten zu Mittag. Ich würde sogar behaupten, dass mind. 80% vegan gekocht wird. Und es gibt auch so viele vegane Alternativen. Interessant wäre natürlich, wie sich das Thema „Vegan leben“ nach außen tragen lässt, denn es ist ja nicht nur eine Ernährungsform, die mir „schmeckt“, sondern weil noch mehr dahinter steckt. Moana: Ich fühle mich ganz gut versorgt. Es ist für mich hier sehr inklusiv! Ich fühle mich nicht anders. Ich glaube, das Thema Tierhaltung ist der einzige Punkt, an dem ich an meine Grenze komme, wo andere vielleicht nicht so sensibel sind. Das ist einfach stark verankert in meinen ethischen und moralischen Grundsätzen. Jenni: Von Anfang an wurde große Rücksicht auf mich genommen. Da war ich noch die einzige Veganerin. Es gab immer eine leckere vegane Alternative. Micha hat einmal vegane Cannelloni gemacht mit zwei verschiedenen veganen Käsesorten. Er hat sich richtig Mühe gegeben. Als ich dann in die Gemeinsame Ökonomie mit rein gekommen bin, dachte ich: Ok, jetzt bezahle ich mit meinem Geld auch Milchprodukte mit. Da hatte ich kein so gutes Gefühl mehr. Daraufhin hatten wir dann ein gemeinsames Gespräch zum Thema Ernährung. Den Austausch fand ich wirklich gut, also einfach mal die verschiedenen Perspektiven zu hören. Und demnächst setzen wir uns nochmal als Gemeinschaft zusammen um uns weiter über das Thema “Nachhaltige Ernährung” auszutauschen. Die Idee kam von Gunda. Ich finde auch toll, dass sie da für uns mitgedacht hat. Moana: Ich habe das Gefühl, dass die vegane Ernährung nicht nur toleriert, sondern auch unterstützt wird. Viele Menschen haben ein positives Verständnis dafür als Aspekt für den Klimaschutz. HAST DU VISIONEN FÜR DIESEN ORT? Moana: Ich sehe auf jeden Fall mehr Menschen, Familien, Kinder. Ich glaube, mehr Betriebe, verschiedene Arbeitsbereiche, z.B. eine Kita, Galerie… die Möglichkeiten sind vielfältig! Milena: Ich spüre den Auftrag, den Ort weiter als Bildungsort entstehen zu lassen und auch jüngere Menschen hierher einzuladen. Ich wünsche mir ein diverses Publikum, dass sich hier begegnen, voneinander und miteinander lernen kann. Jenni: Ich habe auch ein Bild davon, noch mehr unterschiedliche Menschen und auch jüngere Menschen an diesem Ort zu haben. Ich stelle mir mehr künstlerische Aktivitäten vor. Also, auch mehr Musik. Und wenn mehr Menschen da sind, welche auch in den Betrieben mitarbeiten, dass dann auch mehr Zeit ist für andere Sachen, z.B. für das Mosaik am Elemente-Platz. Und ich stelle mir vor, dass der schwarzen Platz, welcher jetzt schon entsiegelt worden ist, viel schöner wird. Und dass vielleicht der Theatersaal bald eine Terrasse hat, sodass alles noch viel offener, natürlicher und schöner wird. Und dass die Gebäude nach und nach saniert werden, sodass es richtig schön warm ist aufgrund einer besseren Isolierung und wir eine schöne Außenfassade bekommen. Milena: Ich wünsche mir auch mehr Farbe. Vielleicht könnte man ein Kunstprojekt starten mit Kindern und Jugendlichen. Insgesamt wünsche ich mir mehr Aktionen innerhalb der Gemeinschaft, wo wir gemeinsam etwas „umgraben“, miteinander anpacken, denn das schweißt auch zusammen. ABSCHLUSSRUNDE – LETZTE GEDANKEN Moana: Ich möchte einfach meine Wertschätzung für den Ort und die Menschen, die hier leben aussprechen. Was in den letzten 6 Jahren alles hier entstanden ist, finde ich echt bewundernswert. Und dieser Ort, dieses Land, die Helfensteine sind sehr besonders für mich. Für mich ist es ein Privileg hier zu sein. Jenni: Ich bin auch sehr dankbar, dass ich hier sein kann. Milena: Ich bin auch dankbar für die Chance, hier sein zu dürfen und mir nicht allzu viel Gedanken machen zu müssen, was ist morgen oder übermorgen, sondern einfach zu sein und das zu geben, was da ist. Und dass unser Dasein auch geschätzt wird. Jenni: Und ich bin auch dankbar, dass ihr da seid!

Interview von und mit unseren um die 30jährigen